Die Kritische Psychologie ist eine marxistisch orientierte, kritisch-emanzipatorische Wissenschaft. Sie vertritt die Auffassung, dass es nicht möglich ist, Psychologie und Gesellschaft(-skritik) zu trennen, wenn sinnvoll vom Subjekt gesprochen werden soll.

Der Kritischen Psychologie grundlegend ist die Annahme, dass die Menschen Produzent_innen jener gesellschaftlichen Bedingungen sind, denen sie gleichzeitig unterstehen. Die herrschenden Verhältnisse, die sich als Einschränkung von Handlungsmöglichkeiten individuell konkretisieren, sind von ihnen selbst geschaffen und damit veränderbar. Wenn die marxistische Theorie diesen Widerspruch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene herausarbeitet, so ist es das Ziel der Kritischen Psychologie, diesen auf die psychische Dimension zu beziehen.

Das Begriffspaar „restriktive / verallgemeinerte Handlungsfähigkeit“ bietet einen analytischen Zugang zur Klärung der Frage, wie der Verzicht auf erweiterte Verfügung über die Lebensbedingungen und damit die Überwindung von Handlungsbehinderungen subjektiv begründet sein kann. Ziel kritisch-psychologischer Konzepte ist es, demgegenüber Perspektiven zur Überschreitung gesellschaftlicher Nahelegungen und damit Überwindung von Handlungseinschränkungen zu entwickeln.